Dieter Sperling & Rainer Kamenz

Das Alaun- und Kupferwasserwerk in Groß-Mehßow

1544 meldeten die Herren von Drauschwitz, Gutsbesitzer von Groß-Mehßow, dem Landvogt Graf Albrecht Schlick, daß sie in der Feldmark Groß-Mehßow ein Erdreich gefunden haben, aus dem sie hoffen Alaun und Kupferwasser gewinnen zu können. Zwei Jahre später, 1546, entstand hinter dem Kohlhof ein neues Bergwerk.

Auf der Schenkschen Karte der Niederlausitz von 1757 finden wir westlich von Groß-Mehßow ein Kupferwaßerwerck eingezeichnet. Kupfergewinnung in der Niederlausitz? Weit gefehlt. Kupferwasser ist ein alter Trivialname für Eisenvitriol, ein Eisen-ll-Sulfat. Dieser Name kommt aus dem Erzbergbau, wo man kupfersulfathaltige Gruben- und Hüttenwässer (Zement­wasser, Kupfervitriol) mit Eisenspänen versetzte, um das Kupfer auszufällen. Dabei ging das Eisen als Ei­sensulfat in Lösung.

Aus dem Kupferwasser wiederum gewann man Eisenvitriol als einen wertvollen Rohstoff durch Reinigen und Auskristallisieren. Ein Kupferwasserwerk ist also ein Eisenvitriol- oder Eisensulfatwerk. Eisenvitriol, auch Melanterit, Haar-, Schwarz- oder grüner Vitriol genannt, bildet lauchgrüne, durchscheinende Kristalle, die leicht in Wasser löslich sind und süßlich-herb schmecken. Man verwendete Eisenvitriol als Desinfektionsmit­tel, zur Herstellung rauchender Schwefelsäure (Vitriolöl), als Beize beim Stoffärben sowie in der Indigofärbe­rei zur Reduktion der Indigoküpe. Besondere Bedeutung hatte es jedoch in Verbindung mit Gerbstoffen zur Herstellung von Tinte (Eisengallus-Tinte) und zum Schwarzfärben von Leder.

Alaunerde ist eine braune Erde, die aus Braunkohle, Ton und (oft in Zersetzung befindlichem) Schwefelkies besteht. Aus dieser wurde Alaun gewonnen. Dabei hat man die Alaunerde in Haufen aufgeschüttet und 2-3 Jahre an der Luft verwittern lassen. Dabei bildete sich aus dem Schwefelkies Schwefelsäure und Eisenoxid. Die Schwefelsäure zersetzt den Ton zu schwefelsaurer Tonerde.

Die so vorbereiteten Alaunerze wurden ausgelaugt, wobei man die Lauge verdampfte und sich das Alaun bildete (vereinfachte Darstellung). Sehr eisenreiche Laugen bildeten zunächst Kristalle von Eisenvitriol (Kupferwasser), wodurch viele Alaunwerke auch gleichzeitig Vitriolwerke waren. Beim Verdampfen scheidet sich Eisenoxid (Vitriolschmant) ab, das als Rohstoff für rote Farbe diente.

Alaun diente zur Herstellung von Farben und Farblacken, in der Färberei als Rotbeize, in der Weißgerberei, zum Leimen von Papier, als schwer brennbarer Anstrichstoff, als fäulnishemmendes Mittel, zum Aufbewahren von Fellen, als Zusatz zum Brot (um schlechtes Mehl verwendbar zu machen), als blutstillendes Mittel, als Rasierstein und als Zahnpulver.

In der Literatur des 16.-19. Jahrhunderts finden wir für dieses Werk auch die Bezeichnung Alaunwerk oder Alaunsiederei, was jedoch aufgrund des gewonnenen mineralischen Rohstoffs nicht zutreffend ist.

Insgesamt ist die Quellenlage zu diesem Gewerbebetrieb sehr dürftig. So berichtete BERGHAUS 1854, daß Alaunsiederei bei Groß-Mehßow im 16. Jahrhundert betrieben wurde, was dem Gedächtnis der heutigen Bewohner ganz entschwunden ist . Es sind zwar Angaben über die Besitzverhältnisse und Namen einzelner Alaunsieder sowie die Lage des Werkes in Groß-Mehßow überliefert. Es gibt jedoch kaum Angaben zur Technologie, zu Produkti­onszahlen, zu erzielten Preisen oder zu Beschäftigtenzahlen.

Das Kupferwasserwerk bei Groß-Mehßow in Lehndokumenten des 16./17. Jahrhunderts.

Den ältesten dokumentierten Nachweis dieser Rohstoffgewinnung im Förderraum Calau datiert aus dem Jahr 1544. Am 2. September meldeten die Brüder und Vettern von Drauschwitz dem Landvogt Graf Albrecht Schlick, daß sie in der Feldmark Groß-Mehßow ein Erdreich gefunden haben, aus dem sie hoffen Alaun und Kupferwasser gewinnen zu können. Da sie finanziell nicht in der Lage waren, das Erdreich allein auszubeuten, hatten sie ihre Onkel und Schwager aus der Verwandtschaft, sowie gute Freunde für das Werk gewonnen. Sie erhielten daraufhin zusammen mit ihren Mithelfern das Erdreich, soweit es in der Feldmark lag als Lehn. Der Vertrag, den die Drauschwitz mit ihren Gewerken und Gehilfen abgeschlossen hatten, ist ihnen am 27. Mai 1544 bestätigt worden. Ergänzend hieß es dazu in einer zweiten Eintragung im Homagialbuch am 2. September 1544, daß der Landvogt Albrecht Schlick von Passaun bekundet, daß die Brüder und Vettern von Drauschwitz zu Groß-Mehßow ihm vorgetragen haben, wie sie…

... In Ihrer flur, feltmargk vnd eigenthumb ein Erdreich angetroffen, daraus sie

verhoffe, Alaun vnd Kupferwasser, oder was sonst Got dabei beraten möcht, zu bringen. Aber do sie solche nutzung ins wergk zu bringen vnd anzurichten vnvermugende, So haben sie etliche Ihre ohmen, schweger vnd gutte freunde an sich gebracht vnd vermocht, sich in solch wergk vnd bau neben Inen einzulassen, mit diesem bescheide, das den gewercken vnd iren erben vnd erbnehmen solch erdtreich , so ferre vnd wie sich dasselbige in der Meisnischen flur (Groß-Mehßower Flur) erstreckt, von denen von Drauschwitz vorreicht vnd geliehen solle werden, wie solches der contract, so zwischen beiden theilen derhalben aufgericht, weiter thut besagen...

Lehnzeugen: Hans von Köckritz auf Drebkau, Georg von Zedlitz unser Hauptmann zu Spremberg und Erasmus Günther vom Schreckenberg, unser Kanzler. Homagialbuch I (Lehnregister) 1527 - 1548.

Er beschied ihnen, daß sie ihren gewercken und Iren erben und erbnehmen das gedachte Erd­reich , soweit es sich in der Gemarkung Groß-Mehßow findet, wie sie vertraglich vereinbart hatten, verlehnen dürfen. Gleichzeitig bestätigte und bewilligte der Landvogt den Vertrag. Die Lehnbriefe lassen in der damals üblichen Weise die Nutzung in breitem Spektrum offen, da offenbar noch nicht klar war, was man aus der gefundenen Erde gewinnen könne.

In diesem Falle ging es nicht etwa um eine bergrechtliche Nutzungsverleihung, sondern um eine lehn­rechtliche Genehmigung. Es handelte sich um die Erweiterung des Lehngegenstandes, die Einnah­men bringende Nutzung eines Erdreichs und die Vergabe von Afterlehn bzw. die Mitbelehnung wei­terer Personen.

1546 erschien in Lehnbriefen für die Gebrüder von Drauschwitz unter den Servituten ein neues Berg­werk . Weitere Hinweise tauchten erst wieder im 17. Jahrhundert auf. Am 11. September 1602 und am 24. September 1626 sind für die Groß-Mehßower Gutsbesitzer Hans Georg bzw. Hans Samuel von Drauschwitz Patente ausgefertigt worden, in denen das Bergwerk als Lehngut erschien. Im Lehnbrief von 1626 lautete die Formulierung: ...samt dem Bergwerk daselbst und anderen Nutzungen und Besserungen, gesucht und ungesucht unter und über der Erde... Auch diese Lehnbriefe lassen offen, was für eine Erde gewonnen wurde.

Übrigens war es schon damals üblich, solche sulfid- und sulfathaltigen Mineralstoffe, aus denen man Vitriol und Alaun gewinnen kann, als Erze zu bezeichnen. Diese chemischen Stoffe lagen nicht in fertiger Form in der Ausgangssubstanz vor, sondern mußten erst durch komplizierte Prozesse, wie Rotte, Stoffzusätze und Umkristallisieren, in der Alaun- bzw. Vitriolhütte gewonnen werden. Man sah darin eine Parallele zur Verhüt­tung von Erzen bei der Metallgewinnung. In diese Zeit fallen auch die ersten Erwähnungen in der Literatur.

In der zweiten Ausgabe des Werkes De natura fossilium libri X des Georgius AGRICOLA von 1558 wird ergänzend zu den zahlreichen Alaunwerken, die bereits in der ersten Ausgabe erwähnt wurden, genannt: ...und am Ufer eines Sees beim Dorfe Meson, das 4 Meilen von der Stadt Senftenberg entfernt liegt.

Um 1570 erwähnt der Görlitzer Rektor Christoph MANLIUS ( U 1575) in seiner Beschreibung der Nie­derlausitz Alaunvorkommen (Alumen) in Miseno majori Samuelis Drausewitii pago ad Caloviam, Im-pensis Sigfridi Promnizii jam pridem costum , zitiert und kommentierend übersetzt von Samuel GROSSER: ...man hat ehemals auch bey dem Dorffe Groß-Meissen, ohnweit der Stadt Calow, so zu Manlii Zeiten Herrn Samuel Drauschwitz zugehörte, auf Veranstaltung und Vorschuß Herrn Siegfried, Freyherrn von Promnitz, Alaun gesotten. Auf diese Aussage beziehen sich spätere Zitate aus dem 18. bis 20. Jahrhundert, wie z. B. H. BERGHAUS 1854 eine Alaunsiederei bei Groß- Mehßow und K. HUCKE 1922 bei Groß-Mehßow, 10 km westlich von Kalau, eine Alaunsiederei vorhanden gewesen sein .

Interessanterweise häufen sich nach der Reformation im 16. Jahrhundert in Deutschland Berichte über die Errichtung von Alaun- und Vitriolhütten. In der Zeit davor besaßen die Päpste das Monopol über den Alaunhandel in Eu­ropa. Sie sicherten sich mit Androhungen des Banns und anderer Kirchenstrafen den lukrativen Absatz des in ihren Gruben bei Tolfa gewonnenen Alauns. Mit der Reformation löste man sich aus diesem Abhängigkeits­verhältnis und begann eine intensive Suche nach Alaun- und Vitriolerdevorkommen.

Hinweise in Kirchenbüchern des 18./19. Jahrhunderts

Um 1820 vermerkte der Groß-Mehßower Pfarrer Christian Wilhelm BRONISCH im Kirchenbuch:

Das hiesige Alaunwerk, welches Großer in seinen Denkwürdigkeiten der Lausitz neben dem Muskauer nennt und von Hans Georg Samuel von Drauschwitz gründen läßt, ist, nachdem es in Ver­fall geraten war, von dem ehemaligen Gutsherren, dem Landessyndikus von Walter und Croneck, erneuert und von seiner alten Stelle hinter dem Kohlhofe in die Nähe der Kleinmühle versetzt worden. Aber auch hier gab es nicht die erwartete Ausbeute und es mußte bald eingehen...

Im Kir­chenbuch finde ich erst 100 Jahre später, 1700 unter Friedrich Christoph Truchseß von Reinfelden Spuren vom Dasein dieser Fabrik: 1703 Jacob Putz, herrschaftlicher Vitriolsieder. Neben diesem erschien im Kirchenbuch Ende des 18. Jahrhunderts Johann Gottlob Müller, der Vitriolsieder.

Was nun in Groß-Mehßow im Einzelnen passierte, ist nicht überliefert. Jedenfalls entstand 1546 hinter dem Kohlhof ein Bergwerk. Das heutige letzte Grundstück nach Crinitz zu (Gnerlich, Nr.13) trägt den alten Hofnamen Hüttmann und das Gebiet um das Grundstück herum nannte sich Etablissement Kupferwasser , was auf die Alaunhütte schließen läßt. Hans Georg von Drauschwitz war von 1602 bis 1625 Gutsbesitzer in Groß Mehßow. Möglicherweise kam es um 1602 zu einer (Wieder?)-Belebung des Werkes. Die Verlegung zur Kleinmühle in der Gutsbesitzerzeit der von Walter und Croneck (1748 -1790) kann um 1750 eingeordnet werden.

1703 war Jakob Putz herrschaftlicher Vitriolsieder. 1818 wurden im Kupferwasser 2 Wohnhäuser mit 10 Einwohnern gezählt. Demnach dürfte das Grundstück Nr. 12 auch dazu zählen. In der Separationskarte Groß-Mehßow von 1828 ist das Etablissement Kupferwasser be­reits nicht mehr verzeichnet. Damit läßt sich das Kupferwasserwerk mit hoher Wahrscheinlichkeit loka­lisieren.

Ergebnisse der sächsischen und preußischen geognostischen Untersuchungen 1814 -1818

GRAMER vermerkte 1880 in seinen Beiträgen zur Geschichte des Bergbaus in der Niederlausitz, daß weitere Nachrichten über den Alaunerdeabbau bei Groß Mehßow nichts aufzufinden gewesen sei­en. Die Alauntonbildung, stark mit Schwefelkies durchsetzte Kohlenlette, setze sich nach Drehna und Grünswalde im Kreis Luckau fort.

Im Anhang des Buches verweist GRAMER auf die Gewinnung von Kupfervitriol in Groß-Mehßow auf eine 1814 von Johann Carl Heinrich KADEN erstellten Beschreibung zur petrographischen Charte von einem Theile der Niederlausitz.

Interessant ist der historische Hintergrund, vor dem diese Untersuchungen stattfanden. 1797 wurde Abraham Gottlob WERNER, Professor an der Freiberger Bergakademie, mit der Geognostischen Landesuntersu­chung Sachsens beauftragt. Das war angesichts der aufwendigen Gelände- und Kartierungsarbeiten eine sehr langfristige Aufgabe, in die viele Studenten und Absolventen der Bergakademie einbezogen wurden.

Im Auftrage des Königlich Sächsischen Oberbergamtes Freiberg weilten unmittelbar nach den Napoleoni­schen Befreiungskriegen Wissenschaftler der Freiberger Bergakademie in der Niederlausitz, so der spätere sächsische Berghauptmann Johann Carl FREIESLEBEN zur Erkundung von Raseneisenerzvorkommen im Cottbuser Kreise, der 1809 bis 1815 zu Sachsen gehörte. In dieser Zeit war FREIESLEBEN Faktor der Ei­senhütte Peitz. Johann Carl Heinrich KADEN weilte in unserer Region zu geologischen Untersuchungen. Erst 13 Jahre nach Werners Tod im Jahr 1817 waren die Geländearbeiten im wesentlichen abgeschlossen. 1836 bis 1844 veröffentlichten K. F. NAUMANN und B. von COTTA eine Geognostische Charte des Königreiches Sachsen und der angrenzenden Länder im Maßstab 1:120.000 bestehend aus 11 Blättern.

Als die Niederlausitz nach dem Wiener Kongreß zu Preußen kam, übergaben die sächsischen Bergbehörden einen Teil der Akten, die geognostische Untersuchungen in unserer Region betrafen, an die preußischen Bergbehörden. So kam die Kadensche Akte zum Bergamt Rüdersdorf.

KADEN beschrieb in den §§ 44 und 45 die Kupfervitriol-Erde bei dem Dorfe Groß-Mehßow. Er stellt sie in die Gruppe der brennlichen Fossilien , da sie ebenfalls eine Brennkraft enthält . Sie verbrennt leicht, und wurde ehedem zur Fabrikation von Kupfervitriolöl gebraucht, ist aber seit mehr den 40 Jah­ren nicht dazu benutzt worden.

Auf Blatt 35f der Akte geht er näher auf das Rohstoffvorkommen und die Verarbeitungsstätte in Groß Mehßow ein: Diese Erde, welche in 2 kleinen Partien bei dem Dorfe Groß-Mehßow vorkommt, scheint einige Ellen mächtig zu sein, und ist überall mit Moorerde umgeben, so daß man sie, da sie mit der Moorerde gleiche Formen haben, durch ihre Efflorescien in weißen, salzig schmeckenden Kristallen unterscheiden kann.

Schon seit mehr als 40 Jahren ist diese Erde bekannt, und zur Siedung von Kupfervitriol benutzt wor­den, allein auch sehr bald hat man aufgehört, sie zu benutzen, indem damals Kupfervitriol-Erde gegen die südliche Seite des Dorfes aufgehört hatte, von der gewöhnlichen Güte vorzukommen, so suchte man sie gegen Nord auf, wo es... nicht gut gegangen sei, allein durch den Tod des alten Siedemei­sters sei endlich das Werk in Verfall gekommen, und ein neuer Siedemeister bloß mit Nachteil Kupfer­vitriol hervorbrachte. Um ihrem Gehalt kennen zu lernen, habe ich dem Herrn Professor LAMPADIUS gebeten, sie zu untersuchen, und hier fand derselbe, daß sie Teile Kupfervitriol enthalte.

Das Brandenburg-Preußische Oberbergamt zu Berlin ließ es nicht beim Zusammentragen von Berichten über Bodenschätze in der Niederlausitz bewenden. Es beauftrage seine Mitarbeiter und die des Bergamtes Rüdersdorf mit der Überprüfung der Informationen und zur gezielten Suche nach Bodenschätzen in der Nieder­lausitz. Dabei wurde allen Nachrichten nachgegangen. So auch im Falle des Vitriolwerkes Groß-Mehßow. Im Mai 1818 erhielten der Berliner Oberbergamts-Assessor Karl Hermann Albrecht SCHULZ und der Hütteninspektor der fiskalischen Glashütte Fried­richsthal (bei Kostebrau) Theodor Adolph RÖSCHER den Auftrag, vor Ort eine Untersuchung der ehemaligen Vitriolhütte vorzunehmen. RÖSCHER hatte kurz vorher von einem glaubhaften und sach­verständigen Zeugen eine Nachricht erhalten, daß vor 40 bis 50 Jahren bei Groß-Mehßow ein Eisenvi­triol- bzw. Kupferwasserwerk in Betrieb gewesen sein soll. Es sollte nun erkundet werden, ob es sich um eine Vitriolsiederei oder um eine Vitriolölbrennerei gehandelt habe und ob eine Wiederauf­nahme möglich wäre.

Am 7. Juli 1818 sandten sie folgenden Bericht an das Bergamt Rüdersdorf:

Actum Spiegelhütte, den 7. Juli 1818

Protokoll die gehaltene Untersuchung der ehemaligen Vitriolsiederei bei Groß Mehßow unweit Calau betreffend.

Am gestrigen Tage verfügten sich die Unterzeichneten nach den in der Niederlausitz belegenen Ort­schaften Klein- und Groß Mehßow, um auf die bei Einem Königl. Hochlöbl. Oberbergamte für die Brandenburg-Preußischen Provinzen seitens des Königl. Glashüttenamtes unter dem 30. Mai ao. erstatteten Anzeige, daß dem Vernehmen nach vor 40 - 50 Jahren ein Vitriolwerk dort in Betrieb ge­wesen sei, eine Lokaluntersuchung des Faktums und der näheren Verhältnisse vorzunehmen, wobei sich folgendes als Resultat ergab:

1.) Die Gegend zwischen den Ortschaften Klein- und Groß-Mehßow ist niedrig und flach und wird von einem Torfmoor bedeckt, welches sich nach 1A Stunde hinter Groß-Mehßow bis in einen eingeschlos­senen Winkel erstreckt. Das Torfmoor hat hiernach eine Länge von ca. % Stunden (ca. 2,8 km); seine Breite beträgt mehrere hundert Schritte und ist bald geringer bald größer. Der Torf selbst ist erdiger Beschaffenheit, schwarz und vitriolisch, ohne sichtbare Beimengungen an Schwefelkies. Die Mächtig­keit des Torflagers ist unbekannt, beträgt aber nach einem angestellten kleinen Schürf wenigstens 5 Fuß (ca. 1,60 m). Die Bäche, welche das Torfmoor entwässern, und einige unferne Mühlen treiben, nehmen ihren Lauf sämtlich nordnordöstlich gegen Lübbenau.

2.) Die Benutzung des Vitrioltorfs zur Vitriolfabrikation hat auf 2 unterschiedlichen Punkten stattgefun­den, woselbst die ehemaligen Entnahmestellen noch heutzutage bekannt sind, nämlich nach Aussage eines zu Groß Mehßow wohnhaften Schmiedes war ca. 50 Schritt hinter eben genanntem Dorfe, spä­ter war sie ca. 30 Schritt zwischen beiden Dörfern. Der Grund, warum man die Anstalt in letztere Ge­gend verlegt hat, ist nicht bekannt. Wir erhielten die Aussage, daß der Siedemeister sich nicht auf das Graben des Vitrioltorfs in diesen Gegenden beschränkte, sondern zugleich auf anderen Plänen Vitriol­torf gegraben hatte, woraus man schließt, daß letzterer reichhaltiger gewesen sein muß.

3. Über den Umfang der Anstalt ist so viel bekannt, daß auf jedem Punkt nur eine Siedepfanne in Be­trieb gewesen ist; über den Gehalt des Vitrioltorfes u. a. hat man nichts in Erfahrung bringen können.

4. Besitzer des Grundes ist von Patow24 zu Lübbenau, Klein-Mehßow gehört der Wittwe Paschke, die dort auch wohnt.

5. Besitzer Groß-Mehßow hatte Bewiligung zur Nutzung des Vitrioltorfes verweigert, endlich aber we­gen Teuerung des Holzbrandes ist das Werk eingegangen; erzeugtes Vitriol wurde nach Cottbus ver­kauft.

6. Wie man ferner vernommen hat, lasten auf diesem ehemaligen Werke noch allerhand Abgaben, deren Natur und Belang man nicht hat ergründen können, weshalb man vermutet, daß die jetzigen Besitzer sich zur unentgeltlichen Abtretung desselben gern erstehen würde. Von der Gegend wurde ungefährer Situationsplan angefertigt, Proben der Vitriolerde beigelegt. Röscher & Schulz

Der Magdeburger Apotheker MICHAELIS untersuchte im Auftrage des Oberbergamts die Vitrioltorf-Proben. Es ergab sich ein Gehalt von etwa 0,25 bis 0,5 Prozent, weshalb die Wiederaufnahme der Vitriolerzeugung als nicht lohnend angesehen wurde. Zum Vergleich gab man den Schwefelgehalt der Freienwalder Alaunerde mit 3 Prozent an. Nach HUCKE enthielten für Heilbäder verwendete Mineral­moore Sulfatgehalte von 1,5 bis 16,4 Prozent (Bad Wilsnack, Bad Freienwalde, Bad Saarow und Lu­ckau).

Der Unterschied zwischen den Vitriol- und Alaunerzen besteht im Tonerdegehalt der letzteren. Beide enthalten Eisensulfid (Pyrit). In feuchter Luft oder bei Benetzen mit Wasser zersetzt sich Pyrit durch bakterielle Katalyse zu Eisensulfat und freier Schwefelsäure. Für die katalytische Wirkung benötigt das Bakterium Thiobacillus ferrooxydans einen pH-Wert kleiner als 4.

In Alaunerz verbindet sich die freie Schwefelsäure mit Aluminiumionen zu Aluminiumsulfat. Durch Zugabe eines einwertigen Kations, z. B. Kalium- oder Ammoniumionen, entsteht Alaun. Im allgemei­nen versteht man unter Alaunen ein Doppelsalz, z. B. Kaliumaluminiumsulfat oder Ammoniumalumi­niumsulfat.

Nach zeitgenössischen Berichten bestand eine Vitriolhütte aus einem Rotteplatz, einem Laugensumpf oder Laugenplatz, dem Läuterkasten, der Siedepfanne (meist aus Blei) und den Wachsbänken. Auf dem Rotteplatz erfolgte die Pyritverwitterung, im Laugensumpf löste man aus der Erde das Eisensulfat und die freie Schwefelsäure. Im Läuterkasten ließ man suspendiertes Eisenoxid absetzen und gab zerkleinerte Eisenabfälle zur Bindung der freien Schwefelsäure zu. Nach der Eindickung der Eisensul­fatsole in der Siedepfanne ließ man das Eisensulfat an Holzspänen in den Wachsbänken, abgedeck­ten Holzrinnen, auskristallisieren. Abschließend wurden die Kristalle zerschlagen, gewaschen, bei 30° C getrocknet und in Holzfäßchen verpackt. Das Eisenoxid aus dem Schlamm wurde geschlämmt, getrocknet und gebrannt. Das Produkt wurde als Schleifmittel oder als Farbstoff verwendet.

Das Grundstück Nr. 13 (Mehßower Chronik) trägt den Hofnamen Hüttmann . Hier war der Standort der ehemaligen Kolonie Kupferwasserwerck .

Rekonstruktion der Lage der Vitriolwerke von Dieter Sperling. Kartengrundlage sind die Meßtischblätter 2397 (Fürstlich Drehna) und 2398 (Calau), unter Verwendung einer Handskizze des Oberbergamtsassessors Karl Hermann Albrecht Schulz vom Juli 1818 (LHASA Rep. F. 36 II d Nr. 38 – Privat-Vitriol-Werke im Distrikt es OBA Berlin).

Der Cottbuser Dieter Sperling hat diverse historische Beiträge geschrieben, u.a. das Buch Rohstoffgewinnung und Altbergbau im Förderraum Calau, herausgegeben vom Förderverein Kulturlandschaft Niederlausitz e.V.

Geschichte Chronologisch

2000 - 1000 v.u.Z.

Bereits in der Bronzezeit sind Groß- und Klein-Mehßow nachweislich bewohnt. Davon zeugen 4 Urnenfriedhöfe in Groß-Mehßow und einer in Klein-Mehßow.

1000 v.u.Z.

Bau der Burganlage in Groß-Mehßow durch Aufschüttung des später als Groschkenberges bezeichneten Hügels (heutiger Friedhof).

400-600

Die Germanen verlassen unser Gebiet und wandern nach Westen ab.

600

Aus Südosten wandern entlang der Elbe und Oder die Slawen (Wenden) in unser Gebiet ein, und nehmen das weithin fast unbewohnte Land wieder in Kultur, allerdings nur solche Gebiete, die vorher von Germanen besiedelt waren. Jedoch erreichen die slawischen Siedlungsgebiete nicht die Ausdehnung der germanischen. Der slawische Stamm der Lusizer - er spricht sorbisch - läßt sich im Einzugsgebiet der Schrake, Berste und der mittleren Spree bei Cottbus nieder. Es ist das Kernland der Lusizer. Das sorbische Wort "Luza" heißt übersetzt Sumpf, wovon sich der erstmals 932 erwähnte Name Lausitz ableitet. Vermutlich erfolgt der Wiederaufbau der Groß- Mehßower Burg, oder der Burgwall dient als Kultstätte.

932 - 1031

Rückeroberung der Niederlausitz durch die Deutschen und Besiedlung. Aus der slawischen Zeit wurden in Groß-Mehßow einige Scherben auf dem Burgwall (Friedhof) gefunden, außerdem eine gegurtete slawische Axt und ein Axtbruchstück.

1100-1300

Begründungen der Wasserburgen in Klein-Mehßow und Fürstlich-Drehna. In Groß- Mehßow wurden aus dieser Zeit blaugraue Keramikscherben gefunden, außerdem eine neuzeitliche kleine Bronzeglocke.

1291

Erste urkundliche Erwähnung von Groß-Mehßow in der Luckauer Chronik des Professor Dr. Vetter (1871):

Das Dominikanerkloster zu Luckau ist 1291 durch Wolffart von Drauschwitz, Besitzer von Drehnau und Gr. Mehso, und dessen Brüdern, Burghart und Caspar, auf dem Platze, wo sich jetzt die Strafanstalt befindet, gegründet worden.

1429

Eine weitere urkundliche Erwähnung von Groß-Mehßow: Sie steht im Zusammenhang mit der Urteilsfindung über eine Mordtat des Berntt Druskwicz (Bernd von Drauschwitz) vor dem Lübbener Bürgermeister und Rat. Hierbei war auch Hans von Kottwitz anwesend: Hans Katewicz zcu Meso geesein.

1447

In einer Liste der in sächsischem Schutz stehenden Vasallen und Städte in der Niederlausitz vom 04. Januar 1447 wird unter anderem auch Bernhard von Drauschwitz genannt, der nicht nur Gutsbesitzer von Groß-Mehßow war, sondern auch Fürstlich-Drehna besaß: Diß sint, die do in myns hern von Sachssin schutcze und vorthedinge sint etc. Itemern Hannus von Kockericz zur Dobre (Altdöbern), Nickel v. Malticz zu Grossen-Loben (Großlübbenau), Alex von Kockericz zu Lobenaw (Lübbenau), Bernhard Druschwicz zu Meissaw, (Mehßow) Bernhart Druschwicz zu Drenaw (Fürstlich-Drehna)... Zu bekenthnisse habin wir des hoffegerichts ingesigel gedruckt an dissen offen briff, des wir alle sampt mittenander icz und gebruchen, am mittewoche nest vor der Drier Konige tage anno etc. XL septimo.

1489

Erste urkundliche Erwähnung von Klein-Mehßow. 1489 verkauft Hans von Buxdorf seine Bornsdorfer Güter an Götz von Wolfersdorf. Dazu gehörten außer dem Schloß von Bornsdorf und den Dörfern Riedebeck, Waltersdorf, Gehren, Grünswalde, Trebinchen, Wanninchen, Gliechow, Kemmen, Schadewitz, Groß Jehser, Presenchen und verschiedenen wüsten dorfstetten auch Klein-Mehßow.

1495

Eine der bedeutendsten frühen Quellen für die Kirchengeschichte stellt die Meißener Bistumsmatrikel von 1495 dar. Sie zeigt die strukturelle Gliederung im kirchlichen Bereich, verzeichnet also die einzelnen Archidiakonate und Erzpriesterstühle (lat. sedes) im Bistum Meißen aus dem Jahre 1346 und früher. Sie ist eine Abgabenliste, in der die zum Bistum Meißen gehörenden Pfarrämter bzw. Kirchen aufgeführt werden. Und zwar solche, die Einkünfte hatten, denn sie mußten von jeder Mark vier Groschen an den Bischof in Meißen abführen. Die 19 Mutterkirchen des Kirchenkreises Calau werden in folgender Schreibweise und Reihenfolge in dieser Matrikel genannt:

Calo - Jhezer - Mesaw - Drehnaw - Czynnitz - Tornaw - Schönfeldt - Beichow -Lobenaw - Kolkewitz - Saßlem - Feczschow - Missen - Laß - Ogrose - Redern - Dober - Pritzschen

Die Aufzählung erfolgt ausgehend vom Erzpriesterstuhl Calau aus nach Westen und von dort kreisförmig im Uhrzeigersinn nach Norden, Osten und Süden.

1527

Im Lehnsregister wird Klein-Mehßow am 1. Mai 1527 als Klein-Messo erwähnt und Groß-Mehßow am 17. Oktober 1527 als Gross-Messo. Die Brüder Hans, Georg und Nickel von Drauschwitz sind neue Besitzer von Groß-Mehßow: Ire Lehengüter von der Cron Behem zu Lehen rürendt, Nemlich das Dorff Messow, Hoff, forwergk, teiche, mule vnd alle ein vnd zugehorung, nichts außgeschlossen, wie das alles in seinen Reinen gelegen vnd vmbfangen, zu brüderlichen gesampten Lehn. Erstmals gibt es eine schriftliche Unterscheidung zwischen Groß- und Klein-Mehßow.

1544

Am 2. September 1544 melden die Brüder und Vettern von Drauschwitz dem Landvogt Graf Albrecht Schlick, daß sie in der Feldmark Groß-Mehßow ein Erdreich gefunden haben, aus dem sie hoffen Alaun und Kupferwasser gewinnen zu können.

1546

Im Westen Groß-Mehßows, hinter den Kohlhöfen, entsteht das Alaunbergwerk. Alaun dient zur Herstellung von Farben und Farblacken, in der Färberei als Rotbeize, in der Weißgerberei, zum Leimen von Papier, als schwer brennbarer Anstrichstoff, als fäulnishemmendes Mittel, zum Aufbewahren von Fellen, als Zusatz zum Brot (um schlechtes Mehl verwendbar zu machen), als blutstillendes Mittel, als Rasierstein und als Zahnpulver.

1565

Samuel von Drauschwitz wird am 8. Februar 1565 alleiniger Besitzer von Groß-Mehßow.

1596

Durch einen Landtausch wird der Mallenchener Gutsbesitzer Albrecht von Kracht am 30. November 1596 Besitzer von Klein-Mehßow. Die Klein-Mehßower Bauern pachten den Boden gegen einen jährlichen Zins.

1599

Beginn der Kirchenbuchaufzeichnungen durch Pastor Andreas Ruben. Erstmals werden Namen der Groß-Mehßower Einwohner bekannt: Albin Mehßow, Urben Lehmann, Thomaschk, Welzel Paulich, Georg Müller, Hans Kschayan, Hans Dictus, Jakob Ruben, Christoph Bronk, Gregor Meißner, Hans Schneider, Barthel Bartholich, Jakob Handrick, George Mathow, Hans Witosch, Melchior Koch, Jacob Gregorick, Hans Henschen, Johannes Henchen, George Asmus, Jacob Berger, Christoph Kuckuck, Kalz, Christoph Buchwald, Michael Branske, Jakob Burick, Martin Möller, Peter Borch.

1602

Hans Georg von Drauschwitz erbt Groß-Mehßow von seinem Vater Samuel von Drauschwitz, der am 11. September 1602 stirbt.

1624

Georg von Kracht verkauft Klein-Mehßow am 1. Januar 1624 für 5350 Taler an den Kriegshauptmann Andreas von Klitzing.

1625

Am 14. November 1625 stirbt Hans Georg von Drauschwitz im Alter von 61 Jahren und das Gut geht an seinen Sohn Hans Samuel von Drauschwitz über. Dieser stirbt mit nur 28 Jahren 1633 ohne Nachkommen. Caspar von Drauschwitz, ein Verwandter aus Altenburg, übernimmt Groß-Mehßow.

1618-48

Dreißigjähriger Krieg. In Fürstlich-Drehna ist das Schloß zerstört, Kirche, Pfarrhaus und Schule abgebrannt und der Ort ohne Pfarrer. Babben ist nur noch ein Schutthaufen. Im Kirchenkreis Groß-Mehßow gehen die jährlichen Geburten von 15 bis 20 (vor dem Krieg) auf 4 bis 5 zu Kriegsende zurück. 1626 wütet in Klein-Mehßow die Pest, 30 Menschen sterben. Im November 1632 gibt es in Schrackau 9 und im November 1634 in Radensdorf 16 Pesttote. Auch in Groß-Mehßow gibt es 1634 einige Opfer.

1639

Wilhelm von Minckwitz kauft Groß-Mehßow für 3000 Gulden, zuzüglich der Schulden, die das Gut hat und einer Kaution von 500 Talern. Damit geht die 200-jährige Drauschwitz-Geschichte für Groß-Mehßow zu Ende.

1675

Cuno Christoph von Bredow wird Besitzer von Groß-Mehßow.

1689

Ludwig Gottfried Müßigk kauft Klein-Mehßow für 4300 Taler. 1691 geht das Gut an Dr. Heinrich Peter von Haberkorn über, der es 1698 an Hans Adam von Löben für 6700 Taler verkauft.

1691

Friedrich Christoph Truchseß von Reinfelden kauft Groß-Mehßow für 10 600 Taler.

1717

Friedrich Gottlob von Zabeltitz erwirbt Klein-Mehßow für 8500 Taler.

1735

Sanierung des schadhaften Turmes der alten Kirche. Der untere aus Raseneisensteinen gemauerte Teil wird repariert, und die obere Holzkonstruktion neu gebaut.

1745

Bei einem Gewitter am 16. Juni 1745 schlägt der Blitz in den Kirchturm ein, und in der Kirche fängt es schon an zu glimmen, aber ein Feuer entsteht nicht.

1748

Johann Gottlieb Paschke kauft Klein-Mehßow für 9650 Taler.

1750

Karl Siegmund von Walther und Croneck kauft Groß-Mehßow.

1752

Das Kirchenschiff wird instandgesetzt und durch Umbauten erweitert.

1770/71

Im Winter 1770/71 gibt es viel Schnee. 1770 liegt er einen halben Meter hoch, und 1771 sind so große Schneeverwehungen, daß der Drehnaer Pfarrer in Gollmitz keine Predigt halten kann. Er bittet unterwegs seinen Groß-Mehßower Amtskollegen um Hilfe, und dieser reitet mit dem Pferd dann nach Gollmitz, weil mit Wagen oder Schlitten nicht durchzukommen ist.

1776/77

Bei Instandsetzungsarbeiten am Kirchturmdach werden Knopf und Wetterfahne abgebaut. Dabei findet man in dem Knopf ein sächsisches Zweigroschenstück und ein Schriftstück.

1784

Über einen Selbstmord in Tugam am 3. Juli 1784 schreibt Pfarrer Meister ins Kirchenbuch: Den 3. Juli 1784 früh zwischen 3 und 4 Uhr erschoß sich auf eine recht vorsätzliche Weise des Schänkers zu Tugam einziger Sohn, Christian Schöne, nahe am Fließe, wo er sich am Baum gesetzt, die Flinte an die Erde gestemmt und mit eines Stockes den Hahn losgedrückt hatte. Da er Musketier unter den Prinz Gothisch löbl. Regiments gestanden, wurde von Luckau aus ein Unteroffizier mit 6 Mann zur Wache geschickt, mittlererweile der Bericht des Geheimen Amtsverwesers Ramftler zu Drehnau nach Dresden ging. Mittwochs zu Mittage kam die Ordre, daß der Selbstmörder durch die Hand des Abdeckers auf der Karre abgeholt und an dem Ort, wo das verreckte Vieh abgeledert wird verscharret werden soll. Welches auch Nachmittags gegen 6 Uhr pünktlich zum Abscheu aller Leichtsinnigen vollzogen wurde.

1787

Pastor Meister notiert ins Kirchenbuch: Anno 1787, gleich den 1ten Jan. Abends zwischen 4 und 5 Uhr wurden wir in einen gewaltigen Schrecken gesetzt, indem bey hiesigen Kaltz Feuer entstand, da dessen Frau unvorsichtig und unachtsam mit brennenden Kühn in die Kammer gegangen, wo Flachs gelegen, und dadurch sogleich aus strafbarer Unachtsamkeit den Flachs anzünden lassen. Ungeachtet zeitig genug Lerm gemacht wurde, nahm doch das Feuer überhand, daß binnen einer halben Stunde Kaltz und Dammaschk Häuser, Scheunen und Ställe in voller Flamme standen. Durch Gottes wunderbare Schickung lenkte sich der Wind, daß die starke Gluth ihre Richtung durch die Gärten nahm, und daher Richters und Mehlers Wohnungen konnten gerettet werden. Des Herrn Schneider zu Drehnau Spritz- und persöhnl. Löschanstalt verdient den allerverbindlichsten Dank. Kaltzes waren Kossäten, hatten also das Grundstück von der Gutsherrschaft gepachtet. Nach dem Brand gaben sie das Grundstück an die Gutsherrschaft zurück, die es wieder aufbauen ließ und es mit dem Häusler Pöschke neu besetzte.

1790

Erasmus Gottfried Bernhard Freiherr von Patow kauft das Gut Groß-Mehßow für 26 600 Taler.

1800

Am 7. Januar 1800, morgens zwischen 5.00 Uhr und 6.00 Uhr brennt die Großmühle ab. Nur Stall und Scheune bleiben stehen. Der Wiederaufbau im folgenden Sommer zehrt dermaßen an die Kräfte des Müllers, daß er am 23. Oktober krank wird und wenige Wochen später stirbt.

1811

Am 1. März 1811 begann der Abriß des alten Pfarrhauses, und anschließend wurde mit dem Bau der neuen Pfarrwohnung begonnen. Am 29. September 1812 kann Pastor Koethe seinen Einzug feiern.

Zu Beginn des ungewöhnlich heißen Sommers 1811 wütet am 21. Juni gegen 14.00 Uhr ein starkes Hagelunwetter. Es verwüstet die Felder und Gärten von Tugam fast gänzlich, und trifft Groß- und Klein-Mehßow ziemlich hart. Die Hagelkörner erreichen zeitweise Taubeneiergröße und zerschmettern die Fensterscheiben an der Westseite des Groß-Mehßower Schlosses. Im Dezember 1811 wird erstmals über die Anlegung eines neuen Friedhofes gesprochen.

1812

Der Platz auf dem alten Friedhof (um die Kirche herum) wird knapp, außerdem steigt das Wasser in nassen Jahreszeiten in die ausgehobenen neuen Gräber. Es wird beschlossen, einen neuen Friedhof anzulegen. Der Gutsbesitzer Erasmus Bernhard Baron von Patow stellt der Gemeinde den Groschkenberg kostenlos zur Verfügung. Als Einzäunung wird ein Graben um den Friedhof herumgezogen, und im März 1820 eine Tannenhecke angepflanzt. Die Pflanzen stellt ebenfalls der Gutsbesitzer kostenlos. Der neue Friedhof kann aber nicht gleich belegt werden, weil sich die Einwohner weigern. Keiner will der Erste sein. Am 9. April 1820 wird mit der Beerdigung von Georg Winkler der Friedhof eingeweiht. Er hatte das vor seinem Tod ausdrücklich gewünscht.

1813

Die Zeit der Befreiungskriege gegen Napoleon: Im Februar 1813 werden in Groß-Mehßow, Klein-Mehßow und Radensdorf bayrische Soldaten der mit Napoleon verbündeten Armeen einquartiert. Im Sommer sind dann französische Soldaten in den Dörfern, die den Bauern bei der Ernte helfen. Während Napoleon immer mehr geschlagen wird und sich zurückzieht, campiert 1814 eine Nachhut der russischen Armee in Groß-Mehßow. Es ist eine Abteilung Baschkiren. Nur ihr mohammedanischer Geistlicher kann einigermaßen Ruhe und Ordnung in dieses mit Pfeil und Bogen bewaffnete rohe und ausschreitende Volk bringen. Die meisten Frauen hatten sich vor ihrer Ankunft versteckt.

1814

Der Theologe Karl Traugott Taubner heiratet 1814 in das Klein-Mehßower Gut ein.

1819

Im Sommer 1819, nach der Ernte, wird die kleinste der drei Glocken, die niemals geläutet wurde, auf dem Kirchturm vermißt. Die etwa 50 kg schwere Glocke war gestohlen worden. In Verdacht geriet ein reisender Müllerbursche, der Tage zuvor in der Kleinen Mühle arbeitete. Man konnte ihm jedoch nicht mehr auf die Spur kommen, obwohl der Vorfall sofort dem Landrat angezeigt wurde. Vermutlich steckte eine Bande Falschmünzer dahinter, denn noch im selben Jahr wurden in der Senftenberger und Gubener Gegend Falschmünzer entdeckt, die aus Müllern und Müllerburschen bestanden.

1821-1836

Im 19. Jahrhundert kommt es in ganz Europa zu einer umfangreichen Agrarreform. Als Folge werden die Groß- und Mittelbauern aus ihrer persönlichen Leibeigenschaft gegenüber der Gutsherrschaft befreit. Es erfolgt eine Umstellung der Arbeitsverfassung von Fronarbeit auf freie Arbeit und der Bauer wird in die liberale Marktwirtschaft integriert. Außerdem wird eine Separation durchgeführt, indem die Feldmark genau vermessen und die mittelalterliche Feldflur neu geordnet wird. Groß-Mehßow beantragt die Reform 1821. 1828 wird die Feldmark vermessen, 1830/31 erfolgt der Landaustausch und 1836 ist die Reform abgeschlossen. In Klein-Mehßow wird die Agrarreform fünf Jahre früher durchgeführt, 1828 bestätigt und 1831 beendet.

1824

Carl Wilhelm Becherer, königlich-preußischer Major a.D. und Ritter zum Eisernen Kreuz, kauft das Gut Klein-Mehßow.

1825

Am 2. Juli 1825 findet man in der Mallenchener Heide, in der Nähe der Klein-Mehßower Grenze, einen jungen Mann tot neben einer Kiefer liegen. Er hatte sich erhängt und wurde vom kräftigen Wind so geschaukelt, daß der Ast brach und mit ihm herunterfiel. Der Tote wird als Joh. Gottfried Lorenz aus Klein-Mehßow identifiziert. Der 18-jährige Schneidergeselle war der einzige Sohn des Schneiders Gottlob Lorenz (Heppe) und arbeitete bei einem sehr strengen Meister in Calau. Pfingsten hatte er noch seine Eltern besucht.

1838

Neubau des heute noch stehenden Gutshauses (Schloß).

1844

Robert von Patow erbt das Gut Groß-Mehßow von seinem Vater Bernhard von Patow.

1849

Friedrich Wilhelm Otto von Normann kauft im November das Gut Klein-Mehßow für 36 000 Taler.

1867

Eine in Groß-Mehßow durchgeführte Viehzählung ergibt, daß die Bauern der Gemeinde einen Viehbestand haben von 15 Pferde, 5 Esel, 1 Stier, 83 Kühe, 20 Ochsen, 515 Schafe, 116 Schweine und 16 Ziegen.

1874

Einführung der Standesämter. Das für Groß-Mehßow, Klein-Mehßow, Radensdorf und Craupe zuständige Standesamt befindet sich bis zur Auflösung am 31. Dezember 1949 in Schadewitz bei Kemmen.

Für die vier Toten des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 stiftet der Klein-Mehßower Gutsbesitzer Friedrich Wilhelm Otto von Normann eine Gedenktafel. Sein Sohn, Leutnant Hans Wilibald, ist ebenfalls unter den Gefallenen. Die Tafel wird Totensonntag 1874 zwischen der Liturgie und der Predigt der Gemeinde übergeben, nachdem sie an der Ecke der Altarnische an der Seite der herrschaftlichen Loge in der Kirche befestigt wurde.

1876

Ernst Willy von Witte kauft das Gut Klein-Mehßow.

1878

Viel Regen bringt der Juli 1878, und man befürchtet ein Auftreten der Kartoffelfäule, sowie einen nachteiligen Einfluß auf das Kernobst. Zum Ende des Monats besserte sich dann aber das Wetter. Im selben Jahr werden einschränkende Bestimmungen für stattfindende Kinder-Schulfeste erlassen. Danach ist der Ausschank von Alkohol strengstens verboten. Das Tanzen ist den Jungen und Mädchen nur bei Trennung der Geschlechter gestattet. Besonders streng sind Tanzvergnügungen in Gaststätten verboten. Das Schulfest darf nur im Freien stattfinden, lediglich bei plötzlich auftretenden Regenschauern kann die Schänke aufgesucht werden.

1881

Richard Roosen kauft das Gut Klein-Mehßow für 273 000 Mark.

1889/90

Im Winter 1889/90 breitet sich von Osten kommend eine merkwürdige und ansteckende Krankheit über die ganze Erde aus. Sie bringt Husten, Schnupfen, Fieber und Schüttelfrost mit sich. Sie überfällt die Menschen plötzlich und ist plötzlich wieder weg. Man nennt sie Grippe. Anfangs nimmt man die Krankheit nicht sehr ernst, weil sie gutartig verläuft. 1890 schließlich erreicht sie einen bedrohlichen Charakter, da nun auch Lungenentzündung und andere akute Krankheiten dazu kommen, woran schließlich viele ältere Menschen sterben. Auch die Kaiserin Augusta, Frau von Kaiser Wilhelm I., wird am 7. Januar 1890 ein Opfer der Grippe. Im Groß-Mehßower Kirchspiel verläuft sie aber durchweg gutartig, obwohl fast jede Familie von ihr befallen ist.

1890/91

Der folgende Winter (1890/91) ist sehr kalt. Zum Totensonntag, am 23. November 1890, beginnen Schneefall und Kälte, die ununterbrochen bis zum 25. Januar 1891 anhalten. Das Thermometer zeigt in Groß-Mehßow ständig -5 bis -20 Grad, und in Cottbus liegen die Temperaturen sogar noch darunter.

1891

Das Jahr 1891 ist ein Jahr hoher Preise. Sonnabend, den 25. Juli, kostet in Luckau der Sack Roggen (85 kg) 20 Mark. In Calau bekommt der Groß-Mehßower Kossät Pöschke für die gleiche Menge 19 Mark, doch soll der Roggen dort auch bis 21 Mark gehandelt worden sein. Aber schon 1892 fällt der Preis auf 10,42 M und 1893 auf 9,42 M.

1892

Hugo von Dambrowski kauft das Gut Klein-Mehßow, behält es aber nicht lange und tauscht es zum Taxpreis von 250 000 Mark gegen ein Haus in Berlin ein, dessen Besitzer, Ewald Freiherr von Busse, am 1. Juli 1896 nach Klein-Mehßow zieht.

1896

1896 werden am Pfarrhaus Baumaßnahmen durchgeführt, und das Haus erhält sein heutiges Aussehen. Das alte Pfarrhaus, 1811/12 durch Köthe einst sich zur Schande gebaut, wie man meinte, war etwa nur halb so groß, bestand also nur aus dem westlichen Teil des heutigen Hauses (16,32 m lang, 10,36 m breit). Mit Ausnahme des 1878 gebauten Eingangsbereiches war die Front zur Straße zu und die ganze Ostseite noch aus Fachwerk. Das Haus sah recht armselig aus, war dünnwändig und bot wenig Platz. Der Zaun an der Straße und der Hofeingang waren verfallen. Durch die Baumaßnahmen wird das kleine Pfarrhaus durch einen Anbau in östlicher Richtung bis zur Grundstücksgrenze erweitert. Dadurch entstehen unten zwei und oben ein neues Zimmer. Die Hälfte des Bodens über dem alten Haus wird nach Norden hin mit einer Mädchenkammer eingerichtet. Die Baukosten belaufen sich auf rund 2900 Mark. Als letzte Schwachstelle ist nun noch die nördliche Fachwerkwand übriggeblieben. Die Arbeiten können aber erst 1913 ausgeführt werden. Dabei werden die Decke und das Dach abgestützt, die alte Lehmfachwerkwand entfernt und eine neue Mauer aus Ziegelsteinen gezogen. Die Kosten, auch für ein paar andere Reparaturen, betragen 900 Mark.

Calauer Kreisblatt 1896.

1897

Am 8. März 1897 kauft der Königliche Oberregierungsrat in Potsdam, Freiherr Richard von Patow, das Gut Groß-Mehßow von seinem Cousin. Er hat am Besitz viel Freude und kümmert sich sehr um Groß-Mehßow. Während Richard von Patow hauptsächlich in Potsdam wohnt, bezieht der Bruder seiner Frau, Oberstleutnant z.D. Krüger-Velthusen, einen Teil des Schlosses. Er kümmert sich u.a. auch um die Teiche. Diese waren seit Jahren verpachtet gewesen und wurden dem Pächter zum 1. Juli 1897 gekündigt. Während der Verpachtung kam den Teichen wenig Pflege zugute, so daß sie in ihrem Umfang immer weiter schrumpften. Der Oberstleutnant läßt die Teiche auf die in der Separationskarte von 1828 eingezeichneten Größe ausbauen und gibt ihnen somit ihre ursprüngliche Größe zurück. Der Erfolg läßt nicht auf sich warten; jetzt wird ein jährlicher Gewinn von ca. 3000 Mark gemacht. Der frühere Pächter erwirtschaftete jedes dritte Jahr nur etwa 900 Mark.

1898

Am Sonnabend, dem 23. Juli 1898, nachmittags bricht über Groß-Mehßow und Tugam ein Hagelunwetter herein. Es nimmt ungefähr den gleichen Hergang wie 1811. Die Unwetterfront kommt aus Richtung Babben und Crinitz, trifft hauptsächlich Groß-Mehßow, Tugam und Groß Jehser, während die seitlich gelegen Dörfer Radensdorf, Klein-Mehßow und auf der anderen Seite Fürstlich-Drehna weniger berührt werden. Da die Erinnerung keines Einwohners bis 1811 zurückreicht, macht das Unwetter, als eine ganz neue Erscheinung, einen gewaltigen Eindruck auf die Menschen. Anfangs sind die Hagelkörner nur erbsengroß, dann erreichten sie die Größe von Haselnüssen und schließlich fallen sie wie Wallnüsse, mit Spitzen und Kanten, vom Himmel. Am meisten leiden Hafer und Gerste, die fast gänzlich ausgedroschen werden. Der Roggen ist zwar schon gemäht und steht in Puppen auf dem Feld, aber um jeder liegt eine Menge der ausgeschlagenen Körner. Obwohl auch die Rüben und Kartoffeln ganz zerfetzt sind, erholen sie sich wieder und der Pfarrer hat eine so gute Kartoffelernte wie noch nie - 160 Zentner auf den Morgen.

1898 werden viele Ackerflächen auf dem Gut Groß-Mehßow drainiert, eine Notwendigkeit in der nassen und quellreichen Feldmark. In Klein-Mehßow wird William Ehrler, ein junger Mann aus Zwickau Besitzer. Als er wenig später Lungenkrank wird, muß er das Gut aufgeben.

1. Januar 1900

Pastor Klahre notiert ins Kirchenbuch: Am 1. Januar 1900, Nachts 12.00 Uhr, brach das neue Jahrhundert an. Wiewohl gar viele behaupteten, daß solches erst 1901 der Fall sein könne. Laut Anordnung wurde in allen Kirchen des Landes Nachts um 12.00 Uhr geläutet. Leider waren unter den Läutern hierselbst zwei, welche ihre Sache nicht recht verstanden, so daß das Geläut - wenigstens beim Pfarrer - wenig erbaulich wirkte. In der Neujahrspredigt wurde auf die Jahrhundertwende gebührend Rücksicht genommen.

Das Schloß in Groß-Mehßow.

1902

Fräulein Marie Jansen kauft das Gut Klein-Mehßow. Die Naturliebhaberin läßt den Wald abholzen, die Stämme als Grubenholz verkaufen und es werden Palmen angepflanzt.--- Das so verwüstete Gut wird 1903 gegen ein Haus in Berlin getauscht, dessen Besitzer, ein Versicherungsdirektor Wernecke, am 1. April 1903 nach Klein-Mehßow zieht. Er läßt die kaum gepflanzten Palmen als Stangen verkaufen, kauft Kühe und Schweine, und läßt damit die Ställe wieder auffüllen. Da ihm Hypotheken gekündigt werden, muß er das Gut 1905 an die Landbank in Berlin abtreten.

1903

1903 setzt eine Woche nach Ostern, vom 17. April an, gewaltiger Schneefall ein, der einen Meter hoch liegt und auch einige Zeit liegen bleibt. Es kommt zu großen Verkehrsstörungen, auf vielen Eisenbahnstrecken wird der Verkehr eingestellt.

 

1907

Hugo Jabbusch übernimmt am 1. Oktober das Gut Klein-Mehßow für 340 000 Mark. Er läßt die Straße nach Craupe und darüber hinaus pflastern.

1908

Auf dem Schloßberg in Groß-Mehßow wird ein herrschaftlicher Friedhof für die verstorbenen Gutsbesitzer auf Wunsch des Richard von Patow angelegt. Er wird auch als erster dort am 29. Januar beigesetzt.

Der neue herrschaftliche Friedhof auf dem Schloßberg.

1911

Die Verfügung des königlichen Konsistoriums (amtliche Mitteilung 1910, Nr. 3, Seite 31), behandelt die Frage: Was kann von Seiten der kirchlichen Gemeinde und insonderheit der kirchlichen Gemeindeorgane zur wirksamen Bekämpfung der Trunksucht geschehen. Die Gemeindekirchenratssitzung am 19. Februar 1911 befaßt sich auch mit diesem Thema. Dabei wird festgestellt, daß seit 1881 bis 1902 18 Personen aus dem Kirchspiel an den Folgen erhöhten Alkoholkonsums gestorben sind. Von den 18 waren 3 Personen in den 40-er, 12 in den 50-er und 3 anfang der 60-er Lebensjahre. Seit 1902 bis 1911 kam kein Todesfall mehr vor. In der Sitzung wird beschlossen, noch intensiver über die Alkoholgefahr aufzuklären. So zum Beispiel durch persönliche Belehrung, Aufklärung in der Schule, dem Konfirmandenunterricht und in der Predigt. Die Unsitte, daß die Neukonfirmierten am Tage der Einsegnung zu nächtlichem Alkoholgenuß genötigt werden, besteht hier, Gott sei Dank, nicht. Die Kinder verleben den Tag in Zurückgezogenheit und Stille. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß auch heute noch in manchen Familien kleinen Kindern Branntwein gegeben wird. - so Pfarrer Klahre.

1911 ist ein Jahr großer Dürre, nicht nur in hiesiger Gegend, sondern weltweit. Es kann nicht regnen, und die Bauern fürchten, daß die Ernte ganz ausbleiben wird. Wegen des Wassermangels infolge des extrem heißen und trockenen Sommers werden am 31. August die großen Herbstmanöver in Schweden abgesagt. Nicht nur das Deutsche Reich und andere europäische Staaten sind von der tropischen Glut betroffen, im Vergleich zu den USA ist die Hitze sogar noch erträglich: Bei 40 Grad im Schatten erleiden in New York Tausende Menschen einen Hitzeschlag. Das Ergebnis der Ernte kann sich dann aber trotzdem sehen lassen. Das Getreide ist sehr gut, Kartoffeln und Rüben in der Menge zwar etwas geringer, aber von guter Qualität.

Der Niederlausitzer Anzeiger schreibt: Die Bahnstrecke Finsterwalde-Luckau wird ... als Nebenbahn mit den Bahnhöfen 4. Klasse: Möllendorf, Kleinbahren, Crinitz, Beesdau und Frankendorf für den Personen-, Güter-, Gepäck- und Privattelegrammverkehr sowie für die Abfertigung von Leichen und lebenden Tieren am 2. Oktober des Jahres eröffnet.

Der Wochenverdienst eines Arbeiters liegt zwischen 18 und 24 Mark.

1914

Im Februar 1914 ist die Kirche 50 Jahre alt. Aus Anlaß dieses Jubiläums wird am Sonntag, dem 8. Februar, ein Festgottesdienst abgehalten, in dem der Superintendent Lubenow aus Calau die Predigt hält. Anschließend findet im Gasthaus Weßnick in Groß-Mehßow ein Festessen statt. Abends gibt es dann einen Familienabend im Gasthaus, wo der Pfarrer Klenke anhand der Kirchenbücher Interessantes aus der Geschichte der Kirchengemeinde vorträgt. Die Gutsherrschaft schenkt für dieses Kirchenjubiläum einen Wandleuchter aus Messing, der am Kanzelpfeiler angebracht wird. Die Gemeinde stiftete aus dem Ertrag der Kirchenkollekte zwei Altarteppiche.

1915

Bernhard Erasmus Robert Freiherr von Patow erbt Gut Groß-Mehßow von seinem Vater Richard von Patow.

1918

Am 22. Januar 1918 wird in Groß-Mehßow der Groß-Meßower Spar- und Darlehnskassen-Verein, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht gegründet. Aufgabe des Unternehmens ist die Beschaffung der zu Darlehen und Krediten an die Mitglieder erforderlichen Geldmittel und die Schaffung weiterer Einrichtungen zur Förderung der wirtschaftlichen Lage der Mitglieder, insbesondere der gemeinschaftliche Bezug von Wirtschaftsbedürfnissen; die Herstellung und der Absatz der Erzeugnisse des landwirtschaftlichen Betriebes und des ländlichen Gewerbefleißes auf gemeinschaftliche Rechnung; die Beschaffung von Maschinen und sonstigen Gebrauchsgegenständen auf gemeinschaftliche Rechnung zur mietweisen Überlassung an die Mitglieder. Vorstandsmitglieder sind: 1. Rittergutsbesitzer Hans Braun in Klein-Meßow, 2. Büdner Wilhelm Jurk in natürlich Groß-Mehßow, 3. Hüfner Ernst Perl in Tugam, 4. Bauer Friedrich Fritsche in Schrakau und 5. Büdner Ernst Polenz in Radensdorf.

1919

Ein Herr Braun kauft das Gut Klein-Mehßow, setzt aber eine Verwalterin ein. Durch Streitigkeiten zwischen beiden wird das Gut völlig heruntergewirtschaftet.

Der "Club der Freien Brüder Gross-Mehssow und Umgebung"

1922

Am 18. Juni 1922 wird das Gefallenendenkmal an der Kirche eingeweiht. Schon in einer Sitzung des Gemeindekirchenrates am 20. August 1916 macht der Gutsbesitzer Bernhard von Patow den Vorschlag, vor dem Kircheneingang eine Gedächtnisstätte für die im Weltkrieg gefallenen Soldaten anzulegen. Während der Baron von Patow und der Pfarrer Klenke für einen Findlingsstein aus heimatlicher Erde sind, hat die Gemeinde einen vom Steinmetz gehauenen Obelisken im Sinn. Nur mit großer Mühe gelingt es beiden, die Gemeinde für den Findling zu überzeugen. Man findet den Stein, der auf etwa 7 Tonnen geschätzt wird, in einer sumpfigen Schonung rechts vom Schrackauer Weg. Fast schien es, als sollten die technischen Schwierigkeiten beim Herausheben des Granitblocks und der Transport den Plan vereiteln. Aber mit Hilfe von Hebeln und Flaschenzügen, Rollen und Bohlen, gelang es nach monatelangen Bemühungen den Stein zu heben. Er wurde auf einen Balkenschlitten gesetzt und nur durch Menschenkraft Zentimeter für Zentimeter zu seinem neuen Standort bewegt. Bei der Aktion halfen alle aus dem Dorf mit: Kinder und Greise, Baron von Patow und Pfarrer Klenke, der Lehrer, die Gutsarbeiter und alle Hausbesitzer. Sie alle spannten sich vor lange Taue und gemeinsam schafften sie es, den Stein dorthin zu bewegen, wo er heute noch steht.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges verlangten die kommunistischen Machthaber, daß die Gemeinde den Stahlhelm (er galt als Symbol des Militarismus) aus dem Kriegerdenkmal zu entfernen habe. Da man das Denkmal nicht beschädigen wollte, entschied man sich, den Stahlhelm einfach mit Mörtel zu verputzen.

1922 werden die Gemeinden Groß-Mehßow und Tugam an das elektrische Licht- und Kraftstromnetz angeschlossen. Eine an den Raiffeisenverband angegliederte Lichtgenossenschaft (Elektrizitäts- und Maschinengenossenschaft) in Groß-Mehßow, finanziell vom Raiffeisenverein Groß-Mehßow unterstützt, führt die Arbeiten, trotz mancher Widerstände der Einwohner, durch. Nach Abschluß der Installationen wird ein Lichtfest mit Musik und Tanz gefeiert. Der Gemeindekirchenrat genehmigt in seiner Sitzung am 7. April 1922 auch die elektrische Installation im Pfarrhaus und in der Schule. Die Elektrifizierungsgenossenschaften bestehen bis Ende des Jahres 1949, als durch eine Neuordnung der Energiewirtschaft der DDR alle Raiffeisen-Elektrizitätsgenossenschaften und gemeindeeigenen Energieversorgungsunternehmen aufgelöst werden.

1923

1923 ist das Jahr der höchsten Inflation in Deutschland. Der Dollarkurs steht bei 4,2 Billionen Mark je 1 amerikanischen Dollar. Die Preise für Grundnahrungsmittel sind in kaum vorstellbarer Höhe gestiegen, die Auszahlung von Löhnen und Gehältern erfolgt wöchentlich und das Geld wird sofort in Wäschekörben in die Geschäfte getragen - bevor die nächste Preiserhöhung kommt.

Auf dem Gut in Craupe feiert man ein glänzendes Erntefest, dessen Kosten mit 50 kg Weizen betritten werden. Im Gasthof in Groß-Mehßow trinkt man Wein, was sonst nicht vorkommt, mit der Begründung, daß die Flasche nur ein Bund Stroh kostet.

Am 1. November 1923 erhält Pfarrer Klenke sein Gehalt, für 10 Tage, vom Briefträger überreicht. Dieser kommt mit einem prall voll Geld gefüllten Rucksack, da die Postagentur in Gollmitz nur noch Kleingeld in Form von 1-Milliarden-Scheine zur Verfügung hat. Die Papiermilliarde entspricht dem Bruchteil eines Pfennigs. Die Scheine sind in Päckchen gebündelt und das Zählen dauert fast eine Stunde.

1928

Im Juni 1928 wird die Orgel in der Kirche völlig durchrepariert und mit neuen Registern vervollkommnet.

Die wechselvolle Geschichte der Rittergutsbesitzer hatte dem Klein-Mehßower Gut arg mitgespielt. Nach dem Tod des Rittergutsbesitzers Hans Braun heiratet seine Witwe Kurt Hanemann, Rittergutsbesitzer in Cladow (Havel). Sie veranlassen unter Vermittlung des Kulturamtes Cottbus die Aufteilung und den Verkauf des Klein-Mehßower Gutes. Den größten Teil kauft der Fabrikbesitzer Walter Höpke. Höpke, dem auch Craupe und Nelz im Kreis Wolmirstedt gehören, und der in Gardelegen wohnt, ist der letzte Besitzer vor der Enteignung durch die Kommunisten 1945. Kleinere Teile des Gutes werden an die Bauern und Gemeinde veräußert: Der zum Gut gehörende Begräbnisplatz (herrschaftlicher Friedhof, 6 954 qm) am Weg von Craupe nach Groß-Jehser wird der Landgemeinde Klein-Mehßow unentgeldlich übereignet. Diese nimmt ihn mit genannter Zweckbestimmung zu Eigentum unter Übernahme der Unterhaltspflicht. Die Landgemeinde Klein-Mehßow erkennt dabei ausdrücklich an, daß auch die Leichen des Gutsbezirks auf dem Begräbnisplatz bestattet werden. Zur Ausstattung der Landgemeinde erhält sie eine 9 895 Quadratmeter große Ackerfläche an der Grenze zu Schadewitz. Zum Bau eines Spritzenhauses für die Feuerwehr bekommt die Gemeinde eine Fläche von 31 qm an der Straße nach Tugam.

1933

Ende der zwanziger Jahre gerät das Gut Groß-Mehßow immer mehr in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Sein Besitzer, Freiherr Bernhard von Patow, entschließt sich daher, einen Teil seiner Ländereien zu verkaufen und zur Besiedlung freizugeben. Der Gutsinspektor, Bodo Ißmer, wird als Siedlungsleiter eingesetzt. Von dem 470 Hektar großem Areal des Gutes werden zu Beginn der dreißiger Jahre 75 Hektar verkauft. Darunter auch die Schäferei und das Vorwerk mit seinen Ländereien. Bei der Schäferei handelt es sich einmal um das Hirtenhaus (heute Richters) und die auf der anderen Straßenseite gelegene Fachwerkscheune. Beim Vorwerk sind es die zwei Tagelöhnerhäuser, die heute von Anders, Thieme und Lenz bewohnt werden. Die zugehörigen Ländereien werden in Parzellen eingeteilt und zum einen den schon bestehenden Häusern zugeteilt und zum anderen als völlig neue Siedlungsgrundstücke verkauft. An der Schäferei entstehen die Eigenheime von Karl Sobotta, Willy Noack (heute Zech) und Johannes Arndt. Das Schäfereihaus kauft Martin Richter. Durch diese Neubauten wird das Ortsbild im westlichen Groß-Mehßow weiter aufgefüllt.

Auch neben den Tagelöhnerhäusern entstehen neue Eigenheime. Hier bauen Karl Baumann, Christian Dombrowsky und Oskar Nauert. Die Tagelöhnerhäuser selbst werden von Michael Lehmann, Friedrich Petsch und Alwin Winkel gekauft. Für die neuen Grundstücksbesitzer werden zur gemeinschaftlichen Nutzung Brunnen und Backöfen angelegt, also jeweils ein Brunnen und Backofen am Vorwerk und an der Schäferei. Heute existiert nur noch das Backhaus an Richters Grundstück.

1935

Am 9. Dezember 1935 stirbt im Alter von 59 Jahren der Rittergutsbesitzer Bernhard Freiherr von Patow, königlich preußischer Major a.D. Er wird in der Kirche aufgebart, und der Kriegerverein Groß-Mehßow hält die ganze Nacht hindurch Totenwache. Die Beisetzung findet auf dem herrschaftlichem Friedhof auf dem Schloßberg statt. Das Gut übernimmt als Erbe sein Sohn Rechtsanwalt Hans-Hartwig von Patow. 1943 heiratet er in Hamburg Ilse Schmidt. Die Familie Patow hat drei Töchter, die älteste, Maria-Ilona, kommt noch in Groß-Mehßow zur Welt.

Hans-Hartwig von Patow ist der letzte Gutsbesitzer von Groß-Mehßow.

1938

Groß-Mehßow hat 228 Einwohner, Klein-Mehßow 111.

1939/45

Zweiter Weltkrieg. Viele Männer aus Groß-Mehßow und den anderen Dörfern müssen zum Kriegsdienst. Auf den bäuerlichen Höfen werden als Ersatz für die fehlende Arbeitskraft Kriegsgefangene eingesetzt. In der Gosda in Groß-Mehßow stürzt ein deutsches Übungsflugzeug aus Lönnewitz bei Falkenberg ab. 1945 geht der Krieg zu Ende. Panzer der 4. Gardepanzerarmee der Sowjets ziehen bereits am 19. April an Groß-Mehßow vorbei in Richtung Luckau/Dahme. Auf dem Pfarrgrundstück schlägt eine Granate ein. Am 20. April 1945 besetzt die Rote Armee dann Groß-Mehßow. Ein deutsches Jagdflugzeug beschießt die einrückenden Truppen mit Leuchtspurmunition und schießt dabei die Schule und Lehmanns Scheune in Brand. In Groß-Mehßow finden die Russen keine Verteidigungsanlagen vor und der örtliche Volkssturm ist auch nicht aktiv. Ein Teil der Einwohner hat sich in den nahegelegenen Wäldern versteckt. Hier halten sich schon seit Tagen Calauer Einwohner auf, weil ihre Stadt beschossen wird. Frauen, Uhren und Fahrräder sind auch hier der Russen liebste Kriegsbeute. Es kommt zu Vergewaltigungen, Plünderungen und Totschlag. Die jüngeren Frauen und Mädchen müssen sich tagelang verstecken. Das Vieh wird zusammengetrieben und abtransportiert. 26 Männer kommen nicht mehr nach Groß-Mehßow zurück. Klein-Mehßow hat 5 Gefallene, Craupe 6, Radensdorf 7, Schrackau 6 und Tugam 3.

1945

Sowjetische Kommandeure übernehmen vorerst die oberste Verwaltung der besetzten Gemeinden. Im Groß-Mehßower Schloß bezieht der sowjetische Kommandant sein Quartier. Einer der ersten Aufgaben des Besatzungskommandanten ist die Errichtung einer zentralen unter seiner Kontrolle stehenden deutschen Gemeindevertretung, um das Leben in den Dörfern wieder zu normalisieren, denn nur ein intaktes Dorf- und auch Stadtleben, das Ankurbeln der landwirtschaftlichen- und industriellen Produktion kann die Forderungen der sowjetischen Besatzungsmacht nach Versorgung der noch kämpfenden Truppe und die später erfolgten Reparationszahlungen- und Lieferungen erfüllen.

Mit sowjetischer Verfügung wird Walter Haberland ab 1. Mai 1945 Bürgermeister der Gemeinden Groß-Mehßow, Klein-Mehßow, Craupe, Radensdorf und Schrackau. Er löst damit den Großmüller Paul Fritsche ab, der seit 1923 das Bürgermeisteramt bekleidet. Eine Gemeindevertretung wird aufgestellt. Deren Aufgaben ist u.a. die um Berlin kämpfende Rote Armee mit Schlachtvieh zu versorgen, die rückwärtigen Dienste der sowjetischen Besatzungsmacht unterzubringen und mit deutschen Arbeitskräften zu versorgen. Weiterhin verlangt der Kommandant die Bereitstellung eines Grundstücks zum Schlachten von Vieh und deren Verarbeitung. Hunderte Kühe der Gutsbesitzer, die von den Sowjets beschlagnahmt wurden und in den Gütern von Groß-Mehßow, Klein-Mehßow und Craupe unter sowjetischer Bewachung stehen, müssen täglich gemolken werden. Einen wesentlichen Bestandteil der Arbeit der Gemeindevertreter stellen die im Frühjahr und Sommer 1945 kriegsbedingt umherziehenden Menschen dar. Sie unterzubringen und zu versorgen wird bald zu einem der Schwerpunkte. In Groß-Mehßow, 1939 mit 228 Einwohnern, weilen an manchen Tagen des Frühlings und Frühsommers 1945 fast eben so viele Durchziehende. In der Gaststätte Zwickert werden viele im Saal auf einem aus Stroh hergerichteten Nachtlager untergebracht, und der große Herd der Gaststättenküche dient den Frauen zur Essenzubereitung. Zur gleichen Zeit steht die Sicherung der Versorgung der Einwohner Groß-Mehßows, insbesondere der ca.150 Heimatvertriebenen zur Lösung mit all den daran hängenden Problemen an.

Am 1. Oktober 1945 beginnt wieder der Unterricht, anfangs im Pfarrhaus und später im Schloß. Zum ersten Direktor der Grundschule Groß-Mehßow ernennt der Kreisschulrat im Dezember 1945 den Neulehrer Hubertus Schlaebe. Unter dessen Nachfolgern, seit Frühjahr 1947 Gerhard Ballin und Arthur Borsutzki, erfolgt 1948/49 der Wiederaufbau der Schule, so daß ab 1950 im wiederhergestellten Gebäude der Unterricht erfolgen kann.

Klassenausflug mit Lehrer Schlaebe in die Sächsische Schweiz.

Mit der Errichtung der kommunistischen Diktatur 1945 folgen Änderungen der Eigentumsverhältnisse, d. h. Enteignungen im großen Stil. Fast alle dieser Enteignungen sind Unrecht und werden meist brutal durchgesetzt. Die erste große Enteignungsaktion nach dem Krieg ist die sozialistische Bodenreform im September 1945, die sich formell auf Beschlüsse der Siegermächte stützt. Neben dem Großgrundbesitz mit über 100 Hektar Land (zumeist Gutsherrschaften) sollen Kriegsverbrecher und Naziaktivisten zugunsten von Neubauern, Heimatvertriebenen und Landarbeitern enteignet werden.

1946

1946 wird der Gemeindevertreter Johannes Arndt Bürgermeister, und in Klein-Mehßow der Maurer Reinhold Krüger.

Eine am 3. Dezember durchgeführte Viehzählung in Groß-Mehßow ergibt folgendes Ergebnis: 15 Pferde, 203 Rinder (davon 26 Kälber, 69 Jungvieh 3 Monate bis 2 Jahre, 1 Zuchtbulle, 21 Zugochsen, 40 Milchkühe, 41 Zugkühe zur Milchgewinnung und Arbeit, 2 Schlachtkühe), 4 Schafe, 180 Schweine (darunter 3 Zuchteber, 22 Zuchtsauen, 43 Ferkel, 72 Jungschweine bis 6 Monate alt, 40 Schlacht- und Mastschweine), 18 Ziegen, 619 Hühner (darunter 328 Junghennen und Küken, 239 Hennen über 1 Jahr alt, 52 Hähne), 103 Gänse, 14 Enten, 50 Truthühner, 1 Perlhuhn, 2 Zwerghühner, 1 Bienenvolk, 234 Kaninchen.

1948

Nach Tugam (1925) läßt nun auch Schrackau nicht mehr in Groß-Mehßow beerdigen, und legt 1948/49 einen eigenen Friedhof an.

1952

Erste Gründungen von Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) auf freiwilliger Basis im Kreis Calau. Bereits 1951 gibt es in Groß-Mehßow eine Landwirtschaftliche Dorfgenossenschaft Groß-Mehßow und Umgebung e.G.m.b.H.

Der Kindergarten wird gegründet.

1956

Herr Natusch stellt zwei Räume für einen Konsum zur Verfügung.

1959

In Groß-Mehßow steht der erste Fernseher.

1960

Ende der fünfziger Jahre kommt es zu staatlich verordneten Zwangskollektivierungen in der Landwirtschaft. Die Bauern werden nun mittels politischem Druck und massiven Drohungen in die LPG gepreßt. Auf der anderen Seite es für die selbständigen Wirtschaften aber schwierig geworden weiterzubestehen. Ein effektives Bewirtschaften erfordert moderne und größere Technik. Und diese wird den Bauern durch den Staat verweigert, weil er daran interessiert ist, das private Eigentum zu zerschlagen. Für die, die sich trotzdem der Zwangskollektivierung widersetzten und ihren Boden privatwirtschaftlich weiterbetreiben folgen Jahre unaufhörlichen politischen und psychischen Terrors durch die staatlichen Behörden, bis diese Bauern oft psychisch, physisch und finanziell gebrochen aufgeben müssen. Andere Bauern ziehen der Zwangskollektivierung lieber die Flucht nach Westdeutschland vor.

Am 27. April 1960 erfolgt die Gründung der LPG Groß-Mehßow unter dem Namen Kühler Grund. Erster Vorsitzender ist Willy Becker. Sieben Jahre später, am 2. November 1967, bildet sich die "Kooperationsgemeinschaft der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften" aus den LPG`s Craupe/Schrackau, Gollmitz, Groß-Mehßow, Kemmen, Säritz und dem Volkseigenem Gut (VEG) Kemmen. In Klein-Mehßow gründet sich bereits am 11. Dezember 1957 eine LPG vom Typ 1 mit dem Namen Richtiger Weg. Vorsitzender ist Siegfried Heymann. Am 15. März 1959 erfolgt die Umwandlung der Genossenschaft in Typ 2, und am 1. Januar 1971 der Zusammenschluß mit der LPG Säritz.

Eine zweite LPG des Typs 1 wird am 4. April 1960 in Klein-Mehßow gegründet. Sie nennt sich 21. März und Richard Großmann fungiert als Vorsitzender. Am 24. August 1960 erfolgt der Anschluß an die LPG Richtiger Weg.

Klein-Mehßow wird ein Ortsteil von Groß-Mehßow.

1962

Reparatur der Orgel in der Kirche durch den Cottbuser Orgelbauer Reinhold Klenke. Der Kostenvoranschlag beziffert 4000 bis 5000 DM dafür.

1964

Instandsetzung der Kirchturmuhr. Sie hat weit über ein Jahrzehnt stillgestanden und ist kaputt. Im Februar 1964 beschließt der Gemeindekirchenrat sie reparieren zu lassen. Der thüringische Turmuhrmacher Saam baut die Uhr aus und überholt sie in seiner Werkstatt. Danach baut er sie wieder ein. In den zwei Wochen, die er 1964 in Groß-Mehßow bleibt, bringt er auch vier neue Ziffernblätter mit arabischen Zahlen am Turm an. Sie überdecken die bis dahin römischen Ziffern. Alle Kirchenfenster werden 1965 rundum mit Kirchenfensterglas und einer viel stärkeren, stabileren Bleifassung als vorher erneuert.

1973

Im Sommer 1973 wird die Groß-Mehßower Schule für immer geschlossen. Die Kinder aller Altersklassen gehen fortan in die Crinitzer Schule. Am 6. Juli 1973 ist mit der Zeugnisausgabe auch der letzte Schultag. Die frei gewordenen Klassenzimmer nutzt man nun anderweitig. So richtete sich im hinteren Klassenraum der KONSUM (Lebensmittelgeschäft) ein, der vorher bei Natusch untergebracht war. Das vordere Klassenzimmer dient der Gemeinde als Kulturraum.

1975

Der Konsum bei Natusch wird geschlossen und in der ehemaligen Schule eingerichtet.

1985

Reparatur des Kirchturmes. Eine 35 m hohe Rüstung wird aufgestellt. Die Holz- und Dachdeckerarbeiten übernimmt eine Dachdeckerbrigade unter Leitung von Bernd Nicolai, Groß-Mehßow. Für die Instandsetzung der Zifferblätter kümmert sich Siegfried Strey, Groß-Mehßow. Die Schallfenster besorgt Siegfried Scholz aus Schrakau. Das Turmkreuz wird von Eberhard Natusch aus Groß-Mehßow aus Kupferblech neu angefertigt und mit der Kugel in Berlin vergoldet.

1998

Die Feuerwehr Klein-Mehßow feiert ihr 70-jähriges Bestehen.

Das ehemalige Gutshaus in Klein-Mehßow.

1999

Im August 1999 wird mit einem Kostenaufwand von 55 000 DM das Dach der Kirche neu gedeckt. Die Arbeiten führt die ortsansässige Dachdeckerfirma Bernd Nicolai aus. Die Sanierung war dringend notwendig, da es schon durch regnete.

2000

Groß-Mehßow im Radio: Der Cottbuser Sender von Antenne Brandenburg gastiert mit seinem sonntäglichen Frühschoppen am 26. März im Gasthof Kasprick.

Es gibt zwei Arten von Weltgeschichte: Die eine ist die offizielle, verlogene, für den Schulunterricht bestimmte - die andere ist die geheime Geschichte, welche die wahren Ursachen der Ereignisse birgt. Honore de Balzac (1799-1850)